Familienkrippe Teil des Aachener Krippenwegs

Die Aachener Innenstadt verwandelt sich in eine einzige großen Krippenausstellung!
An bis zu 40 öffentlichen Standorten in ganz Aachen erwarten Sie vom 28. November 2021 bis 6. Januar 2022 kunstvolle Weihnachtsdarstellungen aus verschiedenen historischen Epochen und vielen Kulturen der Welt. Beteiligt sind zahlreiche Aachener Kirchen und Klöster, das Historische Rathaus, Institutionen wie missio und Weltweit am Dom, die Elisen Galerie, einige Geschäfte und natürlich auch Museen.

So steht im Couven Museum eine besondere Krippe – nämlich die  der Familie Schiffers. Die Anfänge dieser Familienkrippe, genauer gesagt die Anfänge der Figuren, liegen im Dunkeln. In der Familie wurde überliefert, dass sie seit ca. 350 Jahren im Familienbesitz sein sollen. Allerdings nicht alle: Maria, Josef und das Jesuskind hatte man damals dazugekauft, da man sich die Figuren in der Familie aufgeteilt hatte. Das ursprüngliche Jesuskind war unverhältnismäßig groß, weil das göttliche Kind die Hauptperson war. Zu der ursprünglichen Krippe gehörten noch viel mehr Figuren, beispielsweise Kameltreiber. Die Überlieferung sagt, dass die Figuren in einem Kloster im Raum Aachen entstanden sein müssen.  Die Familie war in Aachen ansässig und der Radius von Privatpersonen war damals noch nicht so groß wie heute.
Und: Nur in Klöstern wurde solche Kunst gepflegt, nur dort herrschten entsprechende Kontemplation und Muße. Die Köpfe der Figuren – und auch teilweise die Hände – sind aus Wachs modelliert, sehr fein, bis hin zu Krähenfüßen! Die Figuren bestehen im Inneren aus einem Drahtgerüst, mit Watte umwickelt. So konnte man sie, nachdem sie am Grund angenagelt waren (man sieht es an den Löchern in den Füßen) zurechtbiegen, um ihnen Standfestigkeit zu geben. Dank des Drahtgerüstes ließ sich auch ihre Haltung ändern: Am Dreikönigstag knieten die 3 Weisen z.B. vor dem Kind. In den 40er Jahren wurden einige der brüchigen Drahtgestelle erneuert. Die Schafe wurden auch später dazugekauft.

Bei Familie Schiffers stand die Krippe immer in einer Zimmerecke, deren Möbel eigens für die Krippe in rechtwinkliger Zuordnung angeschafft wurden. Nach einem Umzug in den 50er Jahren malte der Vater der Familie die Kulissen neu, damit sie exakt bis zu den angrenzenden Fenstern reichten. Der damals 13jährige Sohn durfte schon grundieren. Die rechte Kulisse zeigt den Ort Bethlehem und den Weg, der zum Hirtenfeld führt. Die linke Kulisse zeigt den anderen Weg, den die 3 Weisen nach ihrer Huldigung nahmen, um nicht zu Herodes zurückkehren zu müssen.
Diese beiden Wege gehen jeweils in die Szene über, bis zu den Stufungen mit Felsenpapier gelegt, demselben, aus dem auch Höhle und Stufen gemacht sind. Dazu hatte der Vater Packpapier mit Leim bestrichen, dann Eisenstaub aus einer Schlosserei darübergestreut und alles trocknen lassen. Beim Stall durften die Kinder mitwirken. Selbst die Palmen hatte der Vater selbst gemacht – lange Krepppapierstreifen wurden seitlich eingeschnitten und spiralig um mehrere gebündelte Drähte gewickelt. Die Fransen wurden gegen die Richtung gestrichen und der Bast war da.

Somit ein handwerkliches Kunstwerk über Jahrhunderte, welches es nun imk Rahmen der Ausstellung und als Teil des Krippenwegs im Museum zu sehen gibt.