Kostüm für die Figur der „Göttin Venus“ aus der Oper „Orphée aux enfers“

Premiere: 08.02.2025

Kostümbildnerin: Jackie Tadeonie

von Kerstin Hägele (Direktorin der Kostüm-& Maskenabteilung)

Die Kostümbildnerin entwickelte für die Oper „Orphée aux enfers“ Kostüme für ganz besondere Götter- und Göttinnencharaktere. Um die Götterwelt auf dem Olymp zu vergrößern, erfanden der Regisseur und die Kostümbildnerin weitere Götter und Göttinnen aus unserer heutigen Arbeitswelt. Von einem Milchgott bis zu einer Strickgöttin war alles dabei. So war der Kostümbildnerin bei ihren Entwürfen besonders wichtig, dass sofort und direkt das Motiv erkennbar war. Die Strickgöttin etwa ist daran erkennbar, dass sie große Wollknäuel mit übergroßen Stricknadeln als Kopfbedeckung und ein dickes Strickkleid als Kostüm trägt; der Milchgott wiederum trägt eine Milchtüte als Kopfbedeckung, aus deren Öffnung Milch zu fließen scheint und ein Kostüm, dessen weißer Umhang in Tropfenform gearbeitet war. Und das Kostüm der Göttin Venus soll – weil diese in der Mythologie eng mit dem Wasser verbunden ist – ein Fischernetz darstellen und ist daher mit vielen Muscheln, Fischen, anderen Meereslebewesen und Strandgut bestückt.

Als Unterkleid haben wir ein hautfarbenes feines Kleid aus Jersey-Stoff angefertigt. Auf diesem Unterkleid wurde dann mit Seilen und Schnüren in unterschiedlicher Stärke das netzartige Überkleid zusammengefügt. Wichtig war bei diesem Kostüm, dass die Gegenstände im Netz leicht sind. Zudem musste sich die Darstellerin auf der Bühne bedacht durch die anderen Darstellenden hindurchbewegen, um nicht an deren Kostümen hängenzubleiben. Das Gewicht der Kostüme ist ein Thema, das immer wieder diskutiert werden muss, da sich die Darstellenden durch ein zu hohes Gewicht des Kostüms schnell eingeschränkt fühlen. Naturmaterialien, wie echte Muscheln, haben ein großes Gewicht, sodass wir für die Dekoration des Fischernetzes der Göttin Venus auf künstliche Muscheln zurückgegriffen haben.

Abb.: Figurine zum Kostüm für die Figur der „Göttin Venus“ aus der Oper „Orphée aux enfers“ (Foto: Theater Aachen)

Die Kopfbedeckung der Venus

von Susanne Pestel (Modistin in der Kostüm- und Maskenabteilung des Theater Aachen)

Zunächst war es wichtig, sich das ganze Kostüm anzusehen, damit Kopfbedeckung und Kleid zusammenpassen. Für die Anfertigung des Kopfputzes der Venus wurde in einem ersten Schritt eine Stumpe aus Glatthaarfilz über einen Holzkopf gezogen. Diese musste zwei Kopfweiten größer sein als der Kopf der Sängerin. Unter den Filz mussten nämlich noch die langen, geschnekelten Haare der Solistin passen. Der Filzkopf wurde nach der Trockenzeit noch mit einer Tinktur aus verschiedenen Harzen appretiert, also so bearbeitet, dass er einen festeren Stand hat. Am nächsten Tag konnte die Arbeit fortgesetzt werden. Nun ging es an den Aufbau der eigentlichen Kopfbedeckung der Venus. Es wurden beispielsweise Seesterne aus Hartschaumstoff geschnitzt. Dieses Material, das man Airex nennt, kann mit einem scharfen Messer ausgeschnitten, geschnitzt und mit Schleifpapier geschliffen werden. Mit Wärme wurde das Material noch in die richtige Form gebracht und schließlich wurden die geschnitzten Applikationen noch mit deckenden Farben koloriert. Die Seesterne mussten vorsichtig auf den Kopfputz genäht werden, da der Schaumstoff schnell kaputt geht. Für den Kopfputz kamen auch viele einzelnen Perlen, Perlenketten, Tüllstoffe sowie Organza zum Einsatz.

Damit sich die Künstlerin auf der Bühne sicher fühlen konnte und beispielsweise nicht befürchten musste, den Kopfputz zu verlieren, wurde an den Rand der Kappe ein Steckband/Crinolband genäht. Dies nutzt die Maskenabteilung, damit die Kopfbedeckung mit Haarnadeln fest an den Kopf der Künstlerin angebracht werden kann.