Blut und Verletzungen 

von Renate Schwietert (ehemalige Leitung der Kostümabteilung des Theater Aachen)

Das Kostümbild umfasst zwei Bereiche: die Kostüme und die Maske. Die Maske kümmert sich um alles, was das äußere Erscheinungsbild des Kopfes betrifft, also Haare, Gesicht und den Zustand der sichtbaren Haut. Ist diese schweißnass oder künstlich gebräunt? Gibt es Verletzungen, Tätowierungen?

Je nach Inhalt des Stücks kann Blut eine zentrale Bedeutung haben. Wenn die Kostümbildner*innen der Maskenabteilung ihr Konzept vorstellen und jede Figur im Detail besprochen wird, fällt möglicherweise ein Satz wie: „…und die Figur XY blutet an der Stirn“. Dieser scheinbar harmlose Satz kann sehr viel bedeuten. Und daher in der Maske eine ganze Kette von Fragen auslösen: Beginnt die Blutung erst auf der Bühne? Gibt es einen Kampf? Ist ein Blutbeutel am Messer befestigt, der während des Gefechts platzt und das Blut tropft dort heraus? Und tropft es womöglich – zum Entsetzen der Ankleider*innen – bei jeder Vorstellung auf das weiße Hemd? Oder tritt die*der Darstellende bereits mit einer zuvor sorgfältig präparierten Blutwunde auf? Soll das Blut frisch aussehen oder älter und bereits geronnen wirken? Soll auch die Wunde selbst sichtbar sein? Gibt es hinter der Bühne genügend Zeit, um die Maske entsprechend vorzubereiten? Und betrifft die Szene womöglich mehrere Darstellende gleichzeitig? 

Das sind nur einige der vielen Fragen, die sich aus diesem scheinbar beiläufigen Satz ergeben – mit weitreichenden Konsequenzen: für Materialkosten, den zeitlichen Aufwand hinter der Bühne und den personellen Bedarf der Maskenabteilung. Theaterblut unterscheidet sich nicht nur in der Optik, sondern auch im Preis – und in der Frage, wie gut es sich aus der Kleidung wieder auswaschen lässt.