Brustquetsche
von Renate Schwietert (ehemalige Leitung der Kostümabteilung des Theater Aachen)
Frau wird Mann wird Frau. In vielen Theaterstücken sind Verkleidungsspiel und Rollenwechsel zwischen den Geschlechtern ein wesentlicher Bestandteil der Dramaturgie: So schickt der Protagonist Rigoletto aus der gleichnamigen Oper seine Tochter Gilda als Mann verkleidet in eine Spelunke. In „Wie es euch gefällt“ macht sich Rosalind als junger Mann namens Ganymed auf die Suche nach ihrem Vater und in „Was ihr wollt“ wird aus Viola der vermeintliche Cesario usw. Zu Shakespeares Zeiten wurden alle Rollen – auch die weiblichen – von Männern gespielt. Das bedeutet, dass Männer Frauen darstellten, die sich im Stück zum Teil wiederum als Männer verkleideten, um sich schließlich erneut als Frauen zu zeigen. Heute hingegen übernehmen fast ausschließlich Frauen die weiblichen Rollen. Entsprechend sind es, wie in den oben genannten Beispielen, meist Frauen, die sich auf der Bühne als Männer verkleiden.
Ein wichtiges Hilfsmittel für diese Verwandlungen wird in der Kostümabteilung intern „Brustquetsche“ genannt. Dabei handelt es sich um ein Bandagenbreitgummi aus dem orthopädischen Bereich, das in verschiedenen Breiten erhältlich ist. Es wird im Rücken mit Klettband geschlossen und mit Trägern über den Schultern gehalten. Die Weite lässt sich durch den Klettverschluss gut regulieren und auch schnelle Umzüge sind damit problemlos möglich.