Kostüm für die Figur des „Aliens“ aus der Oper „Il Viaggio a Reims“

Premiere: 13.01.2024

Kostümbild: Julia Reindel

von Kerstin Hägele (Direktorin der Kostüm-& Maskenabteilung)

Das Kostüm des Aliens aus der Oper „Il Viaggio a Reims“ ist einer unserer Favoriten unter den Kostümen im Fundus. Wir haben für diese Produktion insgesamt drei dieser Alien-Kostüme hergestellt. Sie waren in der Anfertigung die aufwendigsten Kostüme der letzten zwei Jahre.

Wir haben gemeinsam mit der Kostümbildnerin lange recherchiert, welche Stoffe verwendet werden sollten: Gesucht wurde nach einem glänzenden und elastischen Material mit Reptilienhaut-Prägung. Für den Prototyp haben wir den Körper – ganz wie in der Figurine entworfen – mit einem alten Body aus dem Fundus sowie unterschiedlicher Schaumstoffmaterialien aufgebaut und uns so langsam an die Proportionen herangetastet. Erst im Anschluss haben wir mit der Fertigung des Originalkostüms begonnen. Dabei wurde auf einen maßangefertigten Body der Alien-Körper aufgebaut. Durch das Um- und Abnähen der Schaumstoffhöcker in richtiger Handarbeit mit Spezialnadeln, die man üblicherweise zum Polstern benutzt, haben wir den „knotigen“ Körperbau angelegt. Durch Abbinden des Stoffes und des Füllmaterials haben wir eine Vielzahl von „Stoffwarzen“ angefertigt und auf den Körper gearbeitet. Dann wurde das ganze Kostüm mit grünen Schuppen aus Jersey überzogen und bemalt. Durch das Verstärken der Tiefen mit dunkler Textilfarbe wurde die Oberfläche noch plastischer und tierischer. Zum Abschluss wurde mit Airbrush noch eine weitere „Haut“ darüber gesprüht.

Die Alienfüße wurden ebenfalls durch Schaumstoffaufbau und Abnähen in unserer Damenschneiderei angefertigt; die Fußsohle wurde zudem mit Latex bestrichen, um das Ausrutschen der Darstellenden zu verhindern. Die „Hände“, in Form von Handschuhen, wurden mit Hilfe von Iren, einem festen Schaumstoff, hergestellt, da man diesen durch Schnitzen in unterschiedliche Formen bringen kann. Der Kopf des Aliens wurde in unserer Bildhauerei-Werkstatt angefertigt und in der gleichen Art und Weise wie der Körper farblich bearbeitet.

Die Rolle der Aliens wurde von sehr belastbaren Statist*innen übernommen, denn das Kostüm war nicht nur schwer; im Inneren war es auch besonders eng und heiß. Hinzu kamen lange Wartezeiten während der Bühnenproben. Unter dem Kostüm trugen die Darstellenden noch Sportunterwäsche aus einem Langarm-Shirt und einer Leggings. Diese war aus hygienischen Gründen notwendig, weil man das Alien-Kostüm nicht waschen kann. Der Entstehungsprozess vom Entwurf bis zum fertigen Kostüm lässt sich im Detail auch in der Medienstation „Hinter den Kulissen: Im Kunstgewerbe“ nachvollziehen.

Gerade dieses Kostüm ist ein gutes Beispiel dafür, dass bei der Herstellung aller Kostüme unbedingt der Sicherheitsaspekt zu bedenken ist – rund um den Auftritt des Königs kam es nämlich zu einer inszenierten Explosion. Wenn für eine Inszenierung ein solcher Einsatz von Pyrotechnik oder ähnlichem in der Nähe der Darstellenden eingeplant ist, müssen Materialien aus Naturfasern und/oder Baustoffe der Klasse B1 – also schwer entflammbare Materialien – verwendet werden.

Abb.: Bühnenfoto der drei Aliens aus der Oper „Il Viaggio a Reims“, Darstellende: Statisten. (Foto: Theater Aachen)