Gläsernes Kleid im Stil der Spanischen Mode
von Karin Everatz (Damenschneiderin und Vorhandwerkerin in der Kostüm- & Maskenabteilung des Theater Aachen)
Dieses „gläserne“ Damenkostüm macht im Querschnitt den Aufbau und die Verarbeitung eines Theaterkostüms sichtbar. Es ist im Stil der spanischen Mode der Zeit zwischen 1550 und 1640 gestaltet. In dieser Epoche entwickelten sich sowohl zeitlich als auch regional unterschiedliche Stilrichtungen.
Das hier gezeigte Kleid ist eine Mischung aus verschiedenen dieser Stile – im Theater ist ein solcher „Stilmix“ durchaus üblich. Solche aufwendig gearbeiteten Kleider waren ursprünglich ausschließlich dem Adel und der gehobenen Gesellschaft vorbehalten. Entsprechend wurden besonders kostbare Materialien – u.a. Baumwollband, Aquarienschlauch, Weiberspeck aus Nessel gefüllt mit Rosshaar und Füllwatte, Brokat-Mischgewebe mit Metallfäden, Organza – verwendet und die Kleider waren deutlich schwerer als heutige Produktionen, denn mit den damaligen Webstühlen wurden dichtere Stoffe gewebt, die entsprechend mehr Gewicht hatten. Für Theaterkostüme gelten jedoch ganz andere Ansprüche und Anforderungen: Sie müssen leichter, gleichzeitig aber strapazierfähig sein. Moderne Materialien bieten hier klare Vorteile.
Der gezeigte Querschnitt eines Theaterkostüms im Stil der spanischen Mode veranschaulicht Aufbau und Verarbeitung, wie sie für die Bühne und das Theater angepasst wurden.