17 Herrenchorkostüme für die Figuren der „Eisbären“ aus der Oper „Die Prinzessin im Eis“
Premiere: 08.12.2013
Kostümbild: Mona Ulrich
von Renate Schwietert (ehemalige Leitung der Kostümabteilung des Theater Aachen)
Schon bei der Vorstellung der Kostümentwürfe – der sogenannten Kostümabgabe – für die Oper „Die Prinzessin im Eis“ herrschte ungläubiges Staunen: 17 Chorherren sollten als Eisbären kostümiert auftreten! Es folgten viele Detailfotos von Eisbären und Überlegungen, viel Kopfzerbrechen – doch der Premierenabend wurde schließlich zu einem der eindrucksvollsten Bühnenmomente am Theater Aachen.
Wie anfangen? Wie immer sollten die Kostüme so leicht wie möglich sein. Nach intensiver Materialrecherche fanden wir bei einem Lieferanten im Raum Eschweiler ein sehr grobporiges Material namens PPI-Schaum, das eigentlich für Filteranlagen verwendet wird – sich aber auch hervorragend für die Aufpolsterung der Eisbärenkostüme eignete. Wir bestellten unterschiedlich große Blöcke, die zu Formen gerundet wurden, die der Anatomie eines Eisbären entsprechen: Pobacken, Bäuche, Oberschenkel und mehr. Die Gewandmeisterin konstruierte einen Overall aus einfachem Nesselstoff, auf den die neu geschaffenen „Körperteile“ aufgebracht wurden. Diese wurden zunächst mit einer Schicht aus Polyesterwattes bedeckt, um weiche Übergänge zu erzielen, und anschließend nochmals mit Nessel überzogen.
So entstanden die „Eisbärenmaße“, nach denen schließlich der Felloverall gearbeitet wurde. Die Maskenabteilung fertigte in Zusammenarbeit mit der Modistin die Köpfe, die mit einem Kragenabhang aus Fell und einem Sichtfenster aus Netzgitter versehen wurden.
Viele Anproben, viel Arbeit – aber auch ein großes Vergnügen! Und eine Herausforderung für die Chorherren, denn der Saunaeffekt war garantiert.
Die Oper „Die Prinzessin im Eis“ wurde bei der Uraufführung sehr positiv aufgenommen und die Eisbären erregten auch überregional Aufmerksamkeit. In den Folgejahren wurden einzelne Exemplare an andere Theater ausgeliehen – zum Beispiel an das Gärtnersplatztheater in München oder das Luzerner Theater. Denn in der Theaterwelt existiert ein gutes Netzwerk: Die Kostümabteilungen tauschen sich bundes- und teilweise europaweit aus – und geben gerne Informationen und manchmal eben auch Eisbären aneinander weiter.
Abb.: Bühnenfoto von den Chorherren im Eisbärenkostüm (Foto: Theater Aachen)